Rathausmatinée: Hanns Glückstein: „Der lachende Poet“  
  Mundartliche Zeitreise mit Siegfried Laux und Alfred Baumgartner im Wallstadter Trausaal  
 
 
 
  v.l. Alfred Baumgartner, Siegfried Laux und Ulrich Wellhöfer begeisterten bei der Rathausmatinée.
Foto Jakobi
 
 
         
 
 
Heute würde man Hanns Glückstein als ein Kind der „europäischen Metropolregion“ oder wenn man ganz besonders hip sein will, als einen „Sohn Mannheims“ bezeichnen. Ein Schriftsteller, ein Heimatdichter, ein Poet, der am liebsten in seiner „Mudderschbrooch“ den kleinen und großen Dingen auf den Grund gegangen ist.
Hinein geboren in den Wonnemonat Mai im Jahr 1888 wurde er zum populärsten und bekanntesten Dichter der Kurpfalz. Die Lebendigkeit seiner Gedichte, der Humor und die pure „Luscht am Lewe“, die wurden bei der Rathausmatinée von Siegfried Laux mit so viel Lust wiedergegeben, die einfach nur ansteckend wirkte.
Als Verwandter Glücksteins und auch als sein literarischer Erbe nimmt uns Siegfried Laux auf eine Reise durch „Mannem“ und durch die “Palz“ mit. Dass der Pfälzer Dialekt, laut UNESCO, zu einer aussterbenden Mundart gehört, lässt uns aufhorchen, und eigentlich wollten es die Zuhörer nicht glauben.
Laux nimmt uns mit, um die Welt am „Sunndagmorge“ zu sehen, macht mit uns einen Spaziergang am „Maimarkt-Dienschdag“, bezaubert uns mit einem Liebesgedicht „Unner´m Aprikosebäämche“ und zeigt uns die Zartheit der kleinen „Kinnerhändche“.
Die Begeisterung kennt an diesem Sonntagmorgen keine Grenzen, denn Laux wird zum Marktschreier oder zum Liebhaber, er zelebriert mit ganzer Inbrunst und Herzenswärme die Glücksteingedichte.
Das Buch, aus dem er vorliest ,„Der lachende Poet“, liegt ihm sehr am Herzen, denn es enthält Bekanntes, fast vergessenes oder Neuentdecktes, angereichert mit vielen Bildern aus dem Privatbesitz, und liebevoll ausgewählt. Gemeinsam mit Ulrich Wellhöfer hat er dieses Kleinod der Pfälzer Sprache aufgelegt.
Gerne hat Ulrich Wellhöfer an diesem Morgen auch die einführenden Worte gehalten und auch auf Glücksteins Singspiel „Lindenwirtin du junge“ hingewiesen.
Perfekt wurde der Morgen dann auch noch, weil mit Alfred Baumgartner ein Musiker, ein Sänger, gekommen war, der diese ausgelassene Stimmung eingefangen hat. Er griff die Lebenslust des Dichters auf und nahm uns mit auf eine Reise mit Musik von Robert Stolz zu „Salome“ , bestätigt gerne „Du hast Glück bei den Frau'n Bel Ami“ von Hans-Fritz Beckmann und Theo Mackeben, und gibt dann auch noch zu „Ich hab heut Nacht a Parkuhr umgefahrn“. Musik a la Kreisler, mit etwas Robert Stolz, ganz viel Italien, des bayerischen Humors und eben ganz viel Alfred Baumgartner.
Begeisterten Beifall gibt es für beide Künstler, und Manuela Müller und Patricia Munterde, vom iR-Team, weisen in der Pause auch gerne auf die Möglichkeit hin, sich die Bilder zu betrachten, die der vielseitige Siegfried Laux selbst gemalt hat und auf die vielen kleinen persönlichen Gegenstände, die fast vergessenen Bücher und die Fotografien aus dem Besitz von Hanns Glückstein. „Glückstein macht die Welt mit seinen Versen bewohnbar“ hatte einst ein Kritiker über den Mundart-Poeten geschrieben und die Zuhörerinnen und Zuhörer der Sonntagsmatinée konnten dem eigentlich nur zustimmen.

obi