„Ich möchte immer näher an die Wunder der Musik herankommen...“  
  Prof. Wolfgang Boettcher spielt sechs Bach-Suiten für Cello solo  
 
 
 
   
  Prof. Wolfgang Boettcher
Foto privat
 
 
         
 
 
Große musikalische Ereignisse für den kleinen Mannheimer Ortsteil Feudenheim sind seit Jahren die Cello-Konzerte von Prof. Wolfgang Boettcher. Er hat vor kurzer Zeit als Krönung seiner Beschäftigung mit den Werken J.S. Bachs dessen „Sechs Suiten für Cello Solo“ bei Nimbus eingespielt und schenkt damit den Musikfreunden ein herzbewegendes, wunderbares Erlebnis.
Der weltberühmte Solo-Cellist konzertiert gemeinsam mit seiner Schwester, der Feudenheimer Organistin und Pianistin am 19. März in Frankenthal und am 20. März in Ladenburg; viel versprechende Musikereignisse, die man nicht versäumen sollte.
Jahrzehntelang wirkte der Solist, Kammermusiker und Professor an der Universität der Künste und als Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker. Seine Meisterkurse (2008 in Peking, Israel, Oslo, Vaduz, Oviedo und Baden-Baden)) sind in europäischen Ländern wie in Japan gefragt. Dort gastierte er im August 2008 beim Kusafsu-Festival in Anwesenheit des Kaiserpaares.
Seine Karriere begann er als Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbes der ARD in München gemeinsam mit seiner Schwester, der Pianistin Ursula Trede-Boettcher, die seit Jahren Organistin an der Feudenheimer Epiphanias-Kirche ist. Ihrem Einfluss verdankt Feudenheim die Gastkonzerte Wolfgang Boettchers, bejubelt auch beim Orgelfrühling 2008.
Wolfgang Boettcher konzertierte weltweit mit bedeutenden Orchestern und berühmten Dirigenten (Herbert v.Karajan, Sergiu Celebidache, Jehudi Menuhin, Witold Lutoslawski und Dietrich Fischer-Dieskau), hat zahlreiche Schallplatten eingespielt und tritt nun mit der in der Musikwelt Aufsehen erregenden Doppel-CD von „J.S. Bach - Sechs Suiten für Cello Solo“ hervor. Diese Suiten, um 1720 entstanden, werden als die technisch und musikalisch anspruchsvollste Musik angesehen, die für das Cello jemals geschrieben wurde. Pablo Casals studierte diese Suiten zwölf Jahre lang, ehe er sie in der Öffentlichkeit spielte. Wolfgang Boettcher widmete sich dem Studium dieser Werke und ihrer Interpretation mit gleicher Intensität. Er sagt dazu: „Mein Leben lang habe ich mich mit den Bach-Suiten beschäftigt... Die Arbeit an diesen Meisterwerken ist ein ständiger Prozess. Ob man wohl jemals alles realisieren kann, was man mit dem inneren Ohr hört, ist sehr fraglich. Nehmen Sie diese Aufnahmen als ein Stadium eines Musikers, der immer näher an die Wunder dieser Musik herankommen möchte“.
Zu Boettchers Interpretation der Sechs Suiten schreibt Sybill Mahlke im „Tagesspiegel“ Berlin, am 14.01.09 unter anderem: „Wie spielt Boettcher seinen Bach, den Magier aller Tänze? Nach dem Studium der Lehrwerke aus der Zeit von C.P.E. Bach oder dem Schmitz-Buch über die „Kunst der Verzierung im 18. Jahrhundert“ findet er zu einer Intensität, deren letzter Schluss die persönliche Entscheidung des Interpreten ist.
Der Hörer darf also einem Pizzicato in der 6. Suite zustimmen oder nicht. Wichtig ist, dass die Systematik der Kompositionen immer gewahrt wird. Boettcher charakterisiert fein die schnellen Tempi, in denen jeder Ton Gewicht hat. (Curante, 2. Suite), Stimmungswechsel zwischen Dur und Moll in dem Paar von Bourréen (3. Suite), den Cellogesang gebundener Achtel in der Sarabande und die Gavotten, in deren Paar Triolen gegen die Geradheit schweben (5. Suite). Im Prélude der 6. Suite kennt das vehemente Spiel keine Höhenangst. Boettchers Bach heißt Ehrfurcht vor der Musik und Freude am Instrument“.
Wolfgang Boettcher spielt diese Suiten mit dem Barockbogen auf seinem Violoncello, gebaut in Venedig 1722 von Matteo Gofriller.

Lydia Grabenkamp

Nimbus Records NI 5834/5 Doppel CD
Die nächsten Konzerte von Wolfgang Boettcher und Ursula Trede- Boettcher sind am
19.03.09 20.00 Uhr Frankenthal, Festsaal Städt. Musikschule
20.03.09 20.00 Uhr Ladenburg, Domhof des Rathauses

Gespielt werden Werke von Bach, Beethoven, Busoni, Debussy und Martinou.