Massenwahn mit Vuvuzela  
   
 
 
 
   
 
Foto zg
 
 
         
 
 

Alles war rechtzeitig fertig – fabelhafte Fußballstadien und sogar in letzter Minute das Traumhotel für Jogis Mannen. Und dann dies! - Sie wissen, wovon ich spreche: Vuvuzelas! Diese grässlichen Plastiktröten, mit mehr als 120 Dezibel die unangenehme Überraschung der Fußball-WM in Südafrika. Tausende bliesen mit voller Kraft in die billigen, bunten Dinger. Sie übertönten die Zurufe der Spieler, der Trainer und Schiedsrichter, die Kommentare der Fernseh- und Radioreporter und brachten die Fernsehzuschauer zur Verzweiflung. Die waren nach der ersten TV- Übertragung völlig geschafft.

Die Fernsehanstalten versuchten mit technischen Tricks, das Getröte etwas zurückzudämmen. Die Vuvuzela-Musikanten selbst bliesen mit voller Kraft weiter. Es war ja schließlich ihre WM. Und wenn es was zu feiern gibt, dann muß auch Krawall gemacht werden. Alles muß raus, was sich da so im Menschen angestaut hat. „Lass dem Kind dat Nüggelchen“ sagen die toleranten Rheinländer, hauen im Karneval auf die dicke Trumm, setzen den Rhein in Flammen und böllern wie verrückt ins neue Jahr.

„Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...“ sagt Hamlet nachdenklich. Aber an dem ganzen Gelärme und Gefeiere – wer ist dran Schuld? Natürlich, die alten Römer. Klug genug gönnten sie dem einfachen Volk „Panem et circenses“, Brot und Spiele. Da waren die Leute dann so richtig gut drauf und merkten nicht, dass „was faul im Staate Dänemark“ war. Man sieht schon, es gibt einen Haufen Zitate zu dem Thema – sagen wir es milde – „Ablenkung des Volkes vom Regiertwerden“.

Brot und Spiele – ich erinnere mich, dass man mir und meinesgleichen alle vier Jahre sowas Ähnliches verspricht. Und ich lebe nicht im alten Rom!

Lydia Grabenkamp