Mit „Maurerfest“ an die Geschichte des Stadtteils erinnert  
  „Arbeitskreis Heimatgeschichte“ hatte zum Straßenfest eingeladen  
 
 
 
  „Nachwuchsmaurer“ bei der Arbeit
Foto Jakobi
 
 
         
 
 

So richtig deftig, Handkäs und Maurersteak, waren nicht nur die angebotenen Speisen, auch das Thema des diesjährigen Straßenfestes in der Atzelbuckel-Straße hatte einen bodenständigen Hintergrund. „Wir wollten an die Wallstadter Maurer erinnern“ so Martin Straub vom Arbeitskreis Heimatgeschichte. Und auf den Spuren der Geschichte konnte man an diesem Sonntag aber so richtig wandeln. Da gab es eine Ausstellung mit vielen Dokumenten, Bildern und natürlich viel Wissenswertem, zusammengetragen von Walter Large.

Er hatte sich mit detektivischem Spürsinn an die Fersen der Wallstadter Maurer geheftet und recherchiert. So gab es früher sehr viele Maurer. Darum wurde Wallstadt auch als das Maurerdorf bezeichnet. Doch warum war das so, nicht etwa weil die Wallstadter eine besondere Begabung für das Maurerhandwerk hatten, vielmehr lag es daran, dass in Wallstadt bereits 1856 vom Kaminbaumeister Johann Herrmann (1817-1891) ein erster Kaminbaubetrieb gegründet wurde.

Auch Bürgermeister Lothar Quast hatte sich mit der Wallstadter „Vergangenheit“ auseinander gesetzt. In seinem Grußwort erinnert er daran, dass viele Kaminmaurer damals in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland tätig waren. Insgesamt 400 männliche Einwohner über 14 Jahre wurden im Jahr 1888 als Maurer oder Maurerlehrling gezählt. „Dass der Stadtteil Wallstadt seine Maurerzeit nicht nur nicht vergessen hat, sondern sie auch heutzutage intensiv hochhält und pflegt, zeigt auch ein Symbol , der „Wallstadter Backstein“, der von Heinrich Müller und Willi Menz initiiert und vom BDS Wallstadt verliehen wird“.

Heinrich Müller war wahrscheinlich Wallstadts letzter Kaminmaurer. Er war wohl auch der letzte Wallstadter, der bei der Firma Christoph Herrmann & Sohn in Mannheim eine Lehre zum Kaminmaurer absolviert hat. Seinen Lehrvertrag von 1946 konnte man bei der Ausstellung auch sehen. Neben Essen und Trinken, Kaffee und Kuchen, gab es auch musikalische Grüße von der Chorgemeinschaft Liederkranz-Germania unter der Leitung von Roland Bernhard und Schmiedevorführungen mit Werner Groß.
Und wer sein Geschick als Maurer beweisen wollte, auch der hatte die Gelegenheit, denn auch Backsteine waren genügend vorhanden, und so mancher „Nachwuchs-Maurer“ konnte seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen.
Auch wenn das Sommerwetter zwischendurch mal eine Auszeit nahm, es war wirklich interessant, einen Blick auf die zusammengetragenen Exponate zu werfen und sich mit der Wallstadter Geschichte auseinander zu setzen.

obi