Die Bell / Bürgerpark
 
   Inmitten des im Nordwesten von Feudenheim gelegenen Bürgerparks befindet sich das Naturdenkmal „Die Bell“. Im 17. Jahrhundert wurde die Bell landwirtschaftlich genutzt. Um 1950 wurden hier vorübergehend Sportanlagen geschaffen. In den Siebziger Jahren plante man an diesem Standort den Neubau des Klinikums, der jedoch nicht realisiert wurde. Das Gebiet blieb weitgehend naturbelassen. Es konnte sich eine typische Sandrasenvegetation entwickeln, für seltene Pflanzen- und Tierarten ein ideales Rückzugsgebiet (ökologische Nische!). Vielen Tieren dient es als Zwischenstopp (Trittsteinbiotop!) zwischen den Sandgebieten im Norden und Süden Mannheims (z.B. der Rheinauer Wald). Die Bell befindet sich in einem stark besiedelten Bereich. Damit die Bell als Frischluftschneise und Kaltluftenstehungsgebiet funktionieren kann, ist es wichtig, dieses Gebiet weitgehend im Naturzustand zu belassen. Der heutige Bürgerpark umfasst große Bereiche der ehemaligen Düne.
Seit Mai 1989 spenden Feudenheimer Bürgerinnen und Bürger Bäume, die bei einer alljährlich stattfindenden Pflanzaktion im Bürgerpark eingesetzt werden. Zum 400-jährigen Jubiläum der Stadt Mannheim im Jahre 2007 soll der Bürgerpark zu einem 40 ha großen „offenen Landschaftspark“ erweitert werden. Auf einer Fläche von ca. 2000 qm ist die Düne noch in ihrer ursprünglichen Form mit einer einzigartigen Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren erhalten. Diese Dünenvegetation ist mittlerweile als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Zur Entstehung der Düne muss man die Erdgeschichte bis zum Ende der letzten Eiszeit zurückverfolgen. Zu dieser Zeit verschmälerte sich der Rhein und zog sich auf sein voreiszeitliches Flussbett zurück, was die Austrocknung der während der Eiszeit überfluteten Niederterrassen zur Folge hatte. Die feinsten Bodenpartikel verwehte der Wind bis an den Rand der Rheinebene und lagerte sie als Löß am Fuße des Odenwalds ab. Der gröbere Sand wurde in Flussnähe abgelagert. In Feudenheim und Umgebung schufen die Flugsande Dünengebiete wie die Bell. Das Flugsandgelände der Bell stellt einen Lebensraum unter >ökologischen Extrembedingungen dar. Trockenheit, Nährstoffarmut sowie Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht von bis zu 50 Grad (mit sommerlichen Oberflächentemperaturen bis zu 70 Grad) kennzeichnen diesen extremen Standort. Hier können nur Tiere und Pflanzen existieren, die spezielle Anpassungsmechanismen entwickelt haben. Viele der Pflanzenarten sind sehr genügsam (Magerrasensorten wie z.B. der Harte Schafschwingel), haben starke Behaarung (Ochsenzunge, Zottenwicke), besitzen Wachsschichten auf den Blättern (Scharfer Mauerpfeffer), extrem tiefreichendes (Feld-Beifuß) oder sehr flaches Wurzelsystem oder sind Schmarotzer (Sand-Sommerwurz). Auf der Bell kommen vor allem Pflanzen und Tiere vor, die aus dem Mittelmeergebiet oder aus den Steppengebieten Osteuropas eingeführt bzw. eingewandert sind. Die Sanddüne zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt von Insekten aus. Neben Sand- und Seidenbienen kommen hier noch 9 weitere Arten geschützter und seltener Insekten vor. Bei den Vögeln konnten Ornithologen 27 Arten erfassen, von denen 9 (z.B. Fasan, Feldlerche, Gartengrasmücke) auf der Bell brüten. Gefährdet ist diese einzigartige Vielfalt von Tieren und Pflanzen durch das Zuwachsen von Brombeerhecken und Robinien, durch Düngung des angrenzenden Ackers und die damit verbundene Anreicherung von unerwünschten Nähr- und Giftstoffen im Boden. Durch gezielte und regelmäßige Pflegemaßnahmen (Entfernung unerwünschter und ständig nachwachsender Gehölze, Abtragung des Oberbodens) wird für Flora und Fauna Lebensraum zurückgewonnen. Der Stadtbevölkerung ist es durch die Erhaltung des Naturdenkmals möglich, die letzten naturbelassenen Lebensräume von Tieren und Pflanzen in diesem dicht besiedelten Ballungsraum kennen zu lernen.