Hauptstraße 135
 
   Dieses Jugendstilhaus wurde im Jahre 1909 von dem Architekten Heinrich Stifferhöfer (geb. 1865 in Mannheim) für Herrn Joseph Peter Amend gebaut.  Auf dem großen geschwungenen Giebel wurde über dem oberen Fenster das Monogramm „J A E“ in Stein gehauen. Die Buchstaben J und A sind die Anfangsinitialen von Joseph Amend. Der Buchstabe E steht für dessen Ehefrau Emma geb. Berger. An der rechten Fassadenseite ragt ein großer Erker mit einem kleinen Giebel hervor. An diesem Giebel befindet sich ein ovaler Zierrahmen, eine sogenannte Kartusche mit der Jahreszahl des Hausbaus „1909“. Das Grundstück ist mit geschwungenen Jugendstilgittern eingezäunt. Nach dem Tode des ursprünglichen Hauseigentümers Joseph Peter Amend verkauften dessen Erben die Villa im Jahre 1925 an den praktischen Arzt und Allgemeinmediziner Dr. med. Richard Heine (geb. 1890 in Ellwangen an der Jagst).
Dieser bewohnte das schöne Jugendstilgebäude als Einfamilienhaus zusammen mit seiner FrauFriedel (geb. 1896 in Tauberbischofsheim) und seinen Kindern Heino (geb. 1923) und Gudrun (geb. 1928). Herr Dr. Heine war ein beliebter Dorfarzt, der Tag und Nacht seinen Patienten zur Verfügung stand. Seine Praxis befand sich zunächst in der Hauptstraße 46. Später bezog er die Räume über der Sparkasse neben dem Gasthaus „Zum Ochsen“; dort praktizierte er bis im Jahre 1976.

In seinem Wohnhaus hatte er das sogenannte „Höhensonnenzimmer“ für Bestrahlungen und Versorgung akuter Notfälle eingerichtet. Seine Tochter Gudrun erinnert sich an folgende Episode, die sie als Vier- bis Fünfjährige erlebte und die ihr Leben prägte: Der durch eine Meningitis behinderte Sohn Kurt der Bäckerfamilie Krampf aus der Schwanenstraße 43 (heute Vollkornbäckerei „Lummerland“), allen alten Feudenheimer als Krampfe Kurtsche bekannt, wurde eines Tages blutüberströmt in das Haus von Herrn Dr. Heine gebracht. Er hatte sich beim Rodeln am Aubuckel schlimm verletzt. Tochter Gudrun stand die ganze Zeit dabei, als ihr Vater Kurt wieder zusammenflickte. In diesem Moment sagte sie zu ihrem Vater: „Das, was Du da machst, will ich auch mal machen!“ Frau Gudrun Prier geb. Heine wurde später tatsächlich (Frauen-) Ärztin.

Ihr Vater war während des 2. Weltkrieges als Oberstabsarzt lange Zeit in Frankreich und anderswo unterwegs. Am 30.12.1943 wurde das Haus bei einem Tagesangriff amerikanischer Flugzeuge von Brandbomben getroffen. Dabei brannten Dach, Speicher und das 2. Obergeschoss aus. Die Feuerwehr war damit beschäftigt, das schräg gegenüber liegende Schützenhaus in der Hauptstr. 150 (heutiges Gasthaus “San Remo“), das ebenfalls brannte, zu löschen.

Der Familie Heine kam man jedoch nicht zu Hilfe, da Herr Dr. Heine als Sozialdemokrat eben nicht der NSDAP angehörte. Der Versuch seiner Ehefrau, nur mit Unterstützung ihrer Kinder den Brand zu löschen, blieb erfolglos. Nach der Praxisschließung im Jahre 1976 lebte Herr Dr. Heine bis zu seinem Tode im Jahre 1991 bei seiner Tochter im Schwarzwald. Das Haus erbte sein Sohn Heino, der vorher lange Zeit als Botaniker in Paris gelebt hatte. Er bewohnte die Villa bis zu seinem Tode am 22.Januar 1996. In dieser Zeit wurde aus dem ehemaligen Ziergarten eine kleine Wildnis. Herr Heino Heine pflegte zu sagen: „Das ist mein Urwald“.

Im Juni 1996 erwarb die Familie Brauch aus Wallstadt das Haus und führte die Renovierungsarbeiten fort. Dabei wurden das Eichenparkett, die Terrazzoböden und die Jugendstilkacheln in Küche und Bad sowie der Kachelofen und die Stuckdecken in ihrem ursprünglichen Zustand belassen.